Die richtige Distanz entscheidet
Kumite-Lehrgang mit Toshihito Kokubun Sensei am 4. und 5. Juli 2026 in Siegen
Am ersten Juliwochenende stand in Siegen alles im Zeichen des Kumite. Toshihito Kokubun Sensei hatte für die drei Trainingseinheiten einen klaren Schwerpunkt gewählt: das Erkennen, Beherrschen und gezielte Nutzen der richtigen Distanz.
Bereits beim Aufwärmen wurde deutlich, wie durchdacht der Lehrgang aufgebaut war. Kokubun Sensei leitete es persönlich und integrierte von Beginn an Bewegungsformen, die später im Kumite benötigt wurden. Leichtfüßigkeit, koordinative Grundlagen und das kontrollierte Überbrücken von Distanzen bereiteten die Teilnehmenden gezielt auf die folgenden Übungen vor. So war selbst das Aufwärmen bereits ein wichtiger Bestandteil des eigentlichen Lehrgangskonzepts.
Im Mittelpunkt der drei Trainingseinheiten stand das von Kokubun Sensei vermittelte Prinzip des „Masakai“. Es beschreibt die individuelle maximale Reichweite einer Technik – also genau jene Grenze, an der ein Angriff den Partner gerade noch erreichen kann. Diese Distanz ist nicht für jeden Karateka gleich. Körpergröße, Reichweite, Technik und Bewegungsfähigkeit spielen dabei ebenso eine Rolle wie die Position und Reaktion des Gegenübers.
Kokubun Sensei zeigte eindrucksvoll, dass eine wirkungsvolle Technik allein nicht genügt. Erst im Zusammenspiel mit der richtigen Distanz kann sie im Kumite erfolgreich eingesetzt werden. Wer zu weit entfernt ist, erreicht sein Ziel nicht. Wer sich zu früh oder zu weit in die gegnerische Reichweite bewegt, setzt sich selbst einem Angriff aus. Entscheidend ist deshalb, das eigene Masakai ebenso zu kennen wie das des Partners.
In zahlreichen abwechslungsreichen Partnerübungen wurde dieses Prinzip Schritt für Schritt erarbeitet. Wir lernten zunächst, unsere eigene maximale Reichweite bewusst wahrzunehmen. Darauf aufbauend galt es, die Distanz des Gegenübers zu erkennen, sich kontrolliert an ihrer Grenze zu bewegen und im richtigen Moment in die eigene Angriffsdistanz zu gelangen.
Die regelmäßigen Partnerwechsel waren dabei besonders wertvoll. Jeder neue Partner stellte durch unterschiedliche Körpergröße, Reichweite, Geschwindigkeit und Bewegungsweise eine neue Aufgabe. So konnte das Gelernte nicht nur wiederholt, sondern immer wieder neu angepasst und praktisch erprobt werden.
Über alle drei Einheiten hinweg entstand ein klarer und nachvollziehbarer Trainingsaufbau. Die Übungen griffen ineinander, wurden zunehmend komplexer und führten die Teilnehmenden vom grundsätzlichen Verständnis der Distanz bis zu ihrer dynamischen Anwendung im Kumite. Kokubun Sensei vermittelte die Inhalte mit großer Präzision, Aufmerksamkeit und spürbarer Freude am gemeinsamen Training.
Gerade diese Verbindung aus konzentriertem Arbeiten und einer positiven, motivierenden Atmosphäre machte den besonderen Charakter des Lehrgangs aus. Trotz der anspruchsvollen Übungen kam der Spaß nie zu kurz. Vielmehr zeigte sich, dass Freude und ernsthaftes Training hervorragend zusammenpassen und gemeinsam zu sichtbaren Fortschritten führen können.
Nach drei intensiven Trainingseinheiten nahmen die Teilnehmenden nicht nur zahlreiche neue Übungsformen mit nach Hause. Vor allem blieb ein geschärftes Bewusstsein dafür, welche entscheidende Bedeutung die richtige Distanz im Kumite besitzt.
Ein herzlicher Dank gilt Toshihito Kokubun Sensei für diesen hervorragend strukturierten, lehrreichen und mit viel Freude gestalteten Kumite-Lehrgang. Ganz besonders danken wir Rolf und Christine Kringe vom Bushido Siegen, die als Hauptorganisatoren mit großem Engagement für den reibungslosen Ablauf und den passenden Rahmen sorgten.
Ein weiterer besonderer Dank geht an Egor Praslow vom Bushido Siegen. Er war nicht nur maßgeblich an der Organisation beteiligt, sondern unterstützte Kokubun Sensei auch als hervorragender Partner bei der Demonstration der verschiedenen Kumite-Übungsformen. Dadurch konnten die Trainingsinhalte für alle Teilnehmenden besonders anschaulich und nachvollziehbar vermittelt werden.
Ebenso herzlich danken wir Cheyenne Heumann für ihre ausgezeichnete Übersetzung aus dem Japanischen ins Deutsche und Englische. Mit großem sprachlichem und fachlichem Gespür gelang es ihr, auch die Feinheiten und Hintergründe der Erklärungen von Kokubun Sensei präzise zu vermitteln. So trug sie wesentlich zum tiefen Verständnis der Lehrgangsinhalte bei.
Unser Dank gilt außerdem allen Helferinnen und Helfern sowie den teilnehmenden Karateka, die durch ihr engagiertes, konzentriertes und partnerschaftliches Training zu einem rundum gelungenen Lehrgangswochenende beigetragen haben.
Oss!