28.03.2014

Kuro mori no Gasshuku - Lehrgang mit Sawada Shihan in Kappel

Datum: 28.03.2014 30.03.2014
Ort: Lenzkirch - Kappel /

 

Im Monat März des strengen Winters 2013/2014 fuhren wir, Karin und ich, nach Kappel im tief verschneiten Schwarzwald, um am Keiko - Lehrgang unter Leitung von Sawada Shihan teilzunehmen. Ertappt, das tief verschneit nehme ich zurück, aber Schnee lag noch (zumindest habe wir noch einen winzigen Fleck entdeckt)!

Mein Lieblingsparkplatz für das Womo, gleich links neben der Halle, war noch frei und wurde von uns für die weiteren zwei Tage in Beschlag genommen, danach war der Kopf frei und wir konnten uns ganz auf die kommenden vier Trainingseinheiten konzentrieren.

Sawada Shihan ist Träger des 7. DAN und Trainer der belgischen Nationalmannschaft.

Für mich ist er ein Karateka der alten Schule, der zwar einräumt, dass das Sportkarate enorme Leistungen abverlangt und diese auch zu würdigen sind, aber er betonte auch, dass z.B. das dynamische Gehüpfe nicht mit der eigentlichen Lehre des Shotokan-Karates im Einklang ist.

Er bemerkte einmal, dass ein Karateka Ruhe und Festigkeit ausstrahlen und aus der Ruhe heraus blitzschnell agieren und den Kampf mit einer Aktion beenden sollte.

Wer den kleinen Film gesehen hat, der zeigt, wie Tanaka Sensei aus dem Kniesitz heraus ein Kumite gegen zwei Gegner bestreitet, der weiß, was ich meine. 

Bevor ich mit dem eigentlichen Bericht beginne, möchte ich an dieser Stelle Schlatt Sensei sowie Michael Reinhart, den Meisten wohl eher als „Mukki“ bekannt, für ihre engagierten Übersetzungen aus dem Japanischen ein dickes Lob aussprechen.

 

 

Gemeinsames Training am Freitag Abend

Meister Sawada erinnerte sich, dass sein Fokus im Lehrgang des letzten Jahres auf den Schulterblättern lag, dieses Mal ging es ihm um den festen Kontakt der Ferse zum Boden.

Seine Vorgabe war:

„Im Kihon muss die Ferse fest am Boden sein, im Kumite sollte sie am Boden sein“.

Als erste Übung zum Einfühlen drehten wir uns aus Kiba datchi um 180 Grad mit nachfolgendem Mae te zuki, danach eine Drehung zurück mir Ren zuki.

Zuerst sollten wir die Drehung auf dem Ballen und anschließend auf der Ferse ausführen und uns dabei auf die Stabilität des Standes zu konzentrieren.

Die nächste Stufe bestand aus:

Hidari Gedan kamae

Gewicht etwas auf das vordere Bein, auf der Ferse nach schräg hinten drehen (kein Schritt) mit Gyaku zuki

Auf der Ferse zurückdrehen mit Gaku zuki und mae te zuki

In den nächsten Übungen wurden die Gyaku zuki ersetzt durch: Uchi uke, Shuto uke

Die Krönung der ersten Trainingseinheit war eine komplexere Sequenz aus Block und Konter Techniken, wobei unsere Aufmerksamkeit weniger auf die Techniken, sondern gezielt auf die Fußarbeit gerichtet werden sollte.

Der Übungsblock bestand aus:

Hidari Gedan kamae, Gyaku zuki

rückwärts Age uke, Mae geri - hinten absetzen, Gyaku zuki

auf der Ferse nach links-hinten drehen mit Uchi uke, Yoko geri kekomi und Gyaku zuki,

zurückdrehen in Kokutsu dachi mit Shuto uke, Kizami mawashi geri und Nukite

Mit dieser Übung waren wir perfekt auf den kommenden Samstag eingestimmt und konnten das anschließende gesellige Beisammensein bei Bärlauchgerichten aller Art genießen.

 

Der Samstag

Am Samstag Morgen waren wir nicht die ersten, (das Küchenteam war schon fleißig ) so doch früher auf den Beinen als nötig, damit wir der Unterstufe beim Training zuschauen konnten, auch dabei kann man etwas lernen und für mich bot sich so die Gelegenheit zum Photographieren.

Das Training für die gut besuchte Unterstufe bestand zum größten Teil aus Kihon ,ebenfalls mit besonderem Augenmerk auf die Beinarbeit, besonders der feste Kontakt der Ferse zum Boden sollte beachtet werden.

Es freut mich immer wieder zu sehen, wenn ein Trainer ein Händchen für den Nachwuchs hat und in der Lage ist, den jungen Karateka die Scheu zu nehmen und sie zu motivieren und ihnen Freude am Karatetraining zu vermitteln.

In diesem Zusammenhang hat mir besonders gut gefallen, dass sich der Meister, wenn er sich von einem Kind etwas zeigen lassen wollte, zuerst nach dessen Namen fragte und dann diesen Namen in der Ansprache benutze.

Fiel eine Technik mal weniger gut aus, war Meister Sawada stets mit einer helfenden Hand zur Stelle, war alles in Ordnung, wurde auch an Lob nicht gespart (Bild 1).

Anschließend bekam die zahlreich vertretene Oberstufe (allein ca. 50 Danträger!) die Chance, den eigenen Karateschatz um den einen oder anderen Groschen zu bereichern.

Zuerst wurden wesentliche Teile des Trainings des letzten Abends wiederholt, um darauf folgend das Thema für den weiteren Verlaufs des Lehrganges zu erweitern.

Sawada Shihan erklärte:

“Im Budo gibt es vier wichtige Aspekte, ich nenne sie in der Reihenfolge ihrer Wichtigkeit.

Erstens, das Auge.

Der Blick darf nicht selektiv auf eine Stelle gerichtet sein, sondern ihr müsst immer das gesamte Blickfeld wahrnehmen, und das Sehen muss geschult werden, so dass es möglich ist, kommende Aktionen zu sehen, bevor die Technik wirklich ausgeführt wird.

Zweitens, die Füsse.

Zur Fußarbeit gehören ein fester Stand, die richtige Distanz, die korrekte Haltung (Hüfte, Schwerpunkt etc.)

Drittens, das Herz..

Damit ist die innere Einstellung, der Kampfgeist gemeint. Wenn man den Angriff rechtzeitig erkennt und stabil steht, kann man dem Angriff beherzt und konsequent zuvorkommen.

Viertens, die Technik.

Natürlich ist die Technik ebenfalls sehr wichtig, aber in unserer Aufzählung kommt sie erst am Schluss.

Eine gute Technik hat keinen Nutzen, wenn ich den kommenden Angriff nicht sehe, oder gerade um mein Gleichgewicht kämpfe, oder wenn ich lieber davonlaufen würde, statt zu kämpfen.”

In der kommenden Trainingseinheit waren die Karateka gefordert, diese Prinzipien zu üben.

Meister Sawada versuchte den Kreisschluss von Kata und Kumite. Durch aggressives Kumite (De Ai) sollte ein Kopf-Kino entstehen, welches ein besseres Verständnis für die Kata ermöglicht.

Basierend auf Techniken der Kata Sochin und Gojushiho-Sho wurde uns gezeigt, dass die in der Kata langsam ausgeführten Anfangstechniken oft dazu verleiten, diese auszuführen ohne dabei “zu kämpfen”.

Meister Sawada lehrte uns, gewisse Block / Kontertechniken nicht im Zählrhythmus Eins-Zwei auszuführen, sondern beide Techniken innerhalb einer Zähleinheit.

Deshalb übten wir diese im Kumite, mit der Vorgabe, einen kommenden Angriff des Partners früh zu erkennen und die Doppeltechnik (ein Arm blockt, der andere greift an) blitzschnell als De-Ai anzubringen.

Der Kreisschluss Kumite-Kata war auch das Thema in der zweiten Trainingseinheit der Unterstufe, diese durften sich basierend auf den Kata Heian Sandan sowie Heian Yondan in dieser Disziplin üben (Bild 2 und 3).

Erster Doppelblock der Heian Sandan, und der zweite Doppelblock, beide als Block / Angriff Kombination.

Wurde der Gegner durch den zweiten Doppelblock zu Fall gebracht, kommt die finale Technik, und schon hier, meinte Meister Sawada, sollte der Kampf zu Ende sein. Mit dieser Einstellung muss der Anfang der Heian Sandan gezeigt werden.

Das gleiche gilt für die Heian Yondan, die erste Technik kann schon als Block / Angriff Kombination gesehen werden.

Viel zu schnell verging die Zeit und das letze Training des Tages begann.

Die Oberstufe versuchte beim Üben der Kata Sochin und Gojushiho-Sho all das bisher Gelernte umzusetzen.

Mein Fazit für den Samstag: .

Durch den systematischen Aufbau des Trainings und dem Verweben von bisher Bekanntem mit neuen Ansätzen war das Training ungeheuer spannend.

Selten verflogen die jeweils 90 Minuten Trainingszeit so schnell, wie bei diesem Lehrgang!

 

Der Samstag Abend

Ein Lehrgang wird erst dann richtig schön, wenn nach dem Training genügend Zeit für ein geselliges Beisammensein gegeben ist,wenn man gemeinsam gestritten und gelitten hat und danach ebenfalls gemeinsam versucht, sich durch reichlich Speis und Trank wieder aufzupäppeln.

Und das Dôjô HakuRyûKan ist dafür bekannt, auch diesen Teil hervorragend zu meistern.

Wenn da bloß das Singen nicht wäre ...

Obwohl, Karin, der es vor dem Singen eigentlich graut, vertraute mir an:

“Für das nächste Mal müssen wir uns besser vorbereiten”

Wie herrlich, erstens, wir werden ein Lied parat haben und zweitens, Karin sprach vom nächsten Mal ...

Was so im Einzelnen geschah verschweige ich, aber einige wenige Highlights sollen nicht unerwähnt bleiben.

 Oliver, der Sportwart des Vereins und für die Präsentation von Filmen und Bildern zuständig, bekam ein besonderes T-Shirt geschenkt.

In Form eines Gedichtes wurde Andelko Kristic, der Dôjô-Leiter aus Donaueschingen geehrt. Der Grund: Andelko hat das Dôjô Imota im Jahre 1988 gegründet und feierte somit im letzten Jahr das 25-jährige Jubiläum!

Meister Sawada bekam noch ein zusätzliches kleines Geschenk, und er war nur schwer davon abzubringen, die Flasche jetzt und hier mit uns zu leeren (Bild 4).

Und was nicht fehlen darf, ein gesundes Mass an Lokalpatriotismus, es wurde das Badnerlied - nun - gesungen, doch, es war schön.

 

Der Sonntag

Das letzte Training am Sonntag Morgen wurde wieder gemeinsam absolviert. Sawada Sensei stellte dieses unter das Motto: Angriff aus der Drehung heraus.

Geübt wurden dabei hauptsächlich die Techniken Ushiro geri und Ushiro mawashi geri.

Meister Sawada erinnerte uns an die vier wichtigen Kriterien im Budo. So sollten wir beim Ushiro geri diesen als De-Ai einsetzen. Da diese Technik im Vergleich zu einem Zuki langsam ist, ist es von Bedeutung, dass man den Zuki schon im Ansatz erkennt und möglichst schnell reagiert.

Mein Fazit: Ein Lehrgang, der jeden Tropfen Schweiß wert war!

Es hat einfach alles gestimmt.

Neben der besonderen Leistung von Sawada Shihan war das ganz sicher auch ein Verdienst des Dôjô HakuRyûKan, bei dem ich mich für die gelungene Rundumversorgung (einschließlich Fahrdienst!) bedanken möchte.

Und das Schönste zum Schluss, Sawada Shihan kommt nächstes Jahr wieder nach Kappel!

Oss!

Günther

 

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Name: Günther Wittwar
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